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Norecu platziert CFO in DAX-30-Konzern

By Sophia Mpalampanis

Interview mit Stefan Müller-Rabin, Gründungspartner bei der Norecu Executive Search GmbH

Personalberatungen gibt es in Deutschland viele, doch nur wenige betreiben wahres Executive Placement auf Premium-Niveau. Wurden Top-Vakanzen der ersten und zweiten Führungsebene lange Zeit nur von alteingesessenen Grandseigneurs sowie international aufgestellten Branchenriesen besetzt, spielen mittlerweile auch spezialisierte Beratungsboutiquen erfolgreich in dieser Premiumliga mit – so beispielsweise die Norecu Executive Search GmbH. Deren Gründungspartner Stefan Müller-Rabin erzählt im Interview, worauf es bei Besetzungen in den obersten Ebenen ankommt und was für ihn bei allen Besetzungen an erster Stelle steht.

Die Platzierung in einem DAX-30-Unternehmen wird oft als Königsdisziplin des Headhunters bezeichnet. Wie kam es dazu?

Im Grunde ist diese Besetzung das Ergebnis einer langen und erfolgreichen Beziehung. In diesem expliziten Fall kannte ich den platzierten Finanzvorstand seit vielen Jahren persönlich, hatte seinen beruflichen Weg intensiv begleitet. Ich konnte nicht nur seine fachliche Kompetenz realistisch einschätzen, sondern wusste auch um seine familiäre Situation, seine Stärken und Schwächen – sprich seine Soft Skills und seinen kulturellen Fit. In seiner vorherigen Funktion als Vice President Finance bei einem führenden Familienkonzern hatten wir gemeinsam einige Mandate erfolgreich abgewickelt. Irgendwann kam es dann zu einem Wechsel im Vorstand und zu einer Änderung der Strategie. Er entschied sich, das Unternehmen zu verlassen und bat mich, für ihn aktiv zu werden. Ziel war eine Position als CFO, idealerweise in seiner alten Heimat. Aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit wusste ich, wofür der Mann steht, was er kann und wohin er passen könnte. Entsprechend machte ich mich an die Arbeit und nach nur wenigen Monaten waren wir am Ziel unserer gemeinsamen Reise: Er unterschrieb bei einem DAX-30-Unternehmen als CFO einer Division. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er fünf Interviews, unter anderem mit dem CEO des Konzerns, der über 35 Mrd. Euro pro Jahr umsetzt.

Welche Rolle spielen Vertrauen und Zuverlässigkeit in einem solchen Prozess?

Eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit ist das A und O. Ohne langfristig angelegte, persönliche Beziehungen in einem gut gepflegten Netzwerk funktioniert es nicht. Das gilt für jede Ebene. Vor allem in den obersten Führungsebenen ist dies aber essentiell. Gerade hier spielt Diskretion und Fingerspitzengefühl eine entscheidende Rolle. Das Netz der handelnden Akteure ist besonders eng verflochten, viele kennen sich untereinander, oftmals begegnet man sich sogar im privaten Bereich. Auch die Verbindungen der Aufsichtsräte und Vorstände innerhalb der verschiedenen Unternehmen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Hier ist kein Spielraum für Fehlschüsse. Hier gibt es keine zweite Chance. Wenn ich einen Kandidaten präsentiere, muss ich alle Eventualitäten und möglichen Interessenskonflikte berücksichtigt haben. Das kann ich nur, weil ich über die erforderliche Branchenexpertise verfüge und dank meines Netzwerkes an das notwendige Insider-Wissen komme.

Wie geben Sie allen Beteiligten während des Projekts ein gutes und sicheres Gefühl?

Für mich steht der Mensch immer an erster Stelle. Und das gilt auch – oder vielleicht sogar vor allem – für Führungskräfte. Top-Manager haben Zweifel und Ängste, befinden sich oftmals in einem Feedback-Vakuum und sind zum Teil nur selten offener und ehrlicher Kritik ausgesetzt. Umso wichtiger ist es daher, als konstruktiver und kritischer Sparring-Partner auf Augenhöhe zu agieren. Bei dieser Platzierung war eine akkurate Abstimmung unerlässlich. Mein Kandidat war jederzeit informiert, an welche Unternehmen ich herantrete, mit wem ich über ihn spreche und wie der aktuelle Stand der Dinge ist. Er konnte sich regelmäßig einbringen, Wünsche sowie Bedenken äußern und sich gleichzeitig neue Perspektiven aufzeigen lassen.

Freie Stellen gibt es in dieser Ebene doch sicher nicht wie Sand am Meer. Woher wussten Sie, an welches Unternehmen Sie herantreten können?

Seit über 15 Jahren spreche ich mit Vorständen und Personalverantwortlichen in allen Bereichen der deutschen Industrielandschaft. Darunter Konzerne und Top-Familienunternehmen aus Elektrik, Maschinenbau und Automotive. In meinem Netzwerk gratuliert man zum Geburtstag, spricht über Urlaube und natürlich über das anstehende Geschäft. Nebenbei werden einem ganz unvermeidlich Informationen anvertraut, lange bevor diese offiziell in den Markt getragen werden. Manchmal wird man unverbindlich um Unterstützung gebeten, einfach mal Augen und Ohren offenzuhalten.

Bei dieser konkreten Besetzung wusste ich von den anstehenden Umstrukturierungen im Konzern. Mir war bekannt, dass der bisherige Stelleninhaber neue Aufgaben übernehmen sollte und der Nachfolger über ein ganz besonderes Erfahrungsprofil verfügen musste. In einem Telefonat mit der Konzernleitung konnte ich eine erste Brücke schlagen, die Passung meines Kandidaten und das Interesse des Unternehmens verifizieren. Also einmal diskret vorfühlen, bevor ich den Namen des Kandidaten offen preisgebe. Und das hat gut geklappt: diskrete Besetzung und hohes Tempo. Genau das ist der Mehrwert, den man als Berater liefern kann.

Sie sind proaktiv vorgegangen. Ist das nicht verpönt in Ihrer Branche? Agiert die Norecu Executive Search nicht ausschließlich auf Mandatsbasis?

Das ist korrekt! Die Norecu arbeitet ausschließlich auf Mandatsbasis mit festen, exklusiven Beauftragungen. Allerdings steht der Mensch im Zentrum aller Aktivitäten. Und nun wendet sich ein Mensch, mit dem mich eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit und so manche kontroverse Diskussion verbindet, mit der Bitte um vertrauensvolle Unterstützung an mich persönlich. Mit dieser persönlichen Bitte erhalte ich Informationen, von denen unter Umständen der Aufsichtsrat seines Arbeitgebers und seine Frau wissen. Dies empfinde ich als Ehre und als großen Vertrauensvorschuss. In einem solchen Fall ist doch mein erster Gedanke nicht, „Haben wir hier ein exklusives Mandat?“. In so einem Fall ist es durchaus legitim, ja sogar geboten, proaktiv vorzugehen. Für mich ganz klar eine Frage des Anstands – ich lasse meine Partner nicht im Regen stehen!

Stefan Müller-Rabin ist Gründungspartner und Head of Industry der Norecu Executive Search GmbH. Seit über 15 Jahren betreut er Mandanten der produzierenden Industrie. Darunter namhafte Unternehmen im internationalen Mittelstand sowie Konzerne aus Automotive, Maschinenbau und Elektronik. Neben Geschäftsführungsmandaten liegt sein Fokus auf technischen Führungsrollen auf Director- und Vice-President-Level. Branchenübergreifend fokussiert sich Herr Müller-Rabin auf die Besetzung von Board- und Zentralfunktionen in Finanzen, IT und HR.

 

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